(M)eine Frage- und Antwortseite zum Thema Rohkost bzw. rohe Ernährung, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Alle Antworten sollen eher zum Nachdenken anregen über ein anderes Verständnis von Ernährung für uns Menschen.

Warum esse ich ausschließlich rohe Nahrung?

  1. Mein Hauptgrund und gleichzeitig größte Motivation ist die Gesundheit. In meinem Fall war es vor allem ein permanent schmerzender Rücken. Dieses Problem war der entscheidende Aktivator für meine Umstellung.
  2. Ich habe (zu) viele Bücher unterschiedlicher Autoren über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit gelesen. Ab einem bestimmten Punkt kann man dieses Wissen nicht mehr ignorieren.
  3. Zu viele liebe Menschen, Freunde und Bekannte in meinem Umfeld sehe ich an den üblichen Zivilisationskrankheiten leiden oder sie sind an eben diesen zugrunde gegangen. Diesen Weg werde ich nicht gehen.
  4. Ich bin Mitte 50 und muss nun langsam die nächsten 50 Jahre vorbereiten, frei von Bluthochdruck, Diabetes, Atherosklerose, Krebs u.ä. überflüssigen Zivilisationskrankheiten.
  5. Ich möchte meiner Familie ein Vorbild sein, vor allem meinen Kindern. Mit der Zeit werden auch sie älter und ich gehe davon aus, dass sie sich irgendwann (mehr als jetzt) mit meinem Weg auseinandersetzen werden.
  6. Aus ethischen Gründen: Tiere betrachte ich als uns Menschen gleichgestellte Geschöpfe der Natur, die von uns nicht mehr versklavt, gequält und ausgerottet werden sollten. Das wird sich aber wohl so schnell leider nicht ändern. Wir sollten alle Lebewesen auf dieser Erde schützen und fördern (Pflanzen und Tiere). Tun wir das nicht rechtzeitig genug, wird eines Tages wieder die Natur diese Aufgabe übernehmen. Die kommt auch ohne uns Menschen klar.

Was kann man denn noch essen, wenn man nur roh isst?

Wer sich mit Rohkost noch nie beschäftigt hat und das erste Mal von meiner Ernährung erfährt, stellt mir oft mit mitleidigem Blick die Frage: Was isst du denn? Was bleibt dir dann noch zum Essen übrig? Die Antwort ist einfach und die Frage kommt immer nur von Menschen, die Obst und Gemüse nur aus der Werbung und dem Supermarkt kennen. Ich wähle meine Nahrung aus einem riesigen Angebot an Lebewesen, die wir Menschen als Pflanzen bezeichnen. Wikipedia zufolge gibt es auf der Erde zwischen 320.000 und 500.000 Pflanzen. Obwohl neben den Tieren auch viele pflanzliche Lebewesen vom Aussterben bedroht sind, ist das Angebot an frischer, pflanzlicher Nahrung für uns Menschen überwältigend groß. Die Evolution hat Pflanzen als Nahrung für uns Menschen in vielen Millionen Jahren so gut optimiert, dass unser menschlicher Körper allein mit frischer Pflanzennahrung ein Leben lang ausreichend und gesund versorgt werden kann. Nach einer Umstellung auf rohe, pflanzenbasierte Nahrung setzt im Kopf ein Umdenken ein. Dieses Umdenken ist mit der Zeit der eigentliche Schlüssel und damit die Antwort auf diese Frage.

Was esse ich ganz konkret?

Auf meinem täglichen Speiseplan stehen alle Arten von frischem Obst, Gemüse, Wildpflanzen und ab und zu eine Handvoll Nüsse, Samen etc.. Je nach Jahreszeit und Appetit wechseln die einzelnen Anteile, also mal mehr Obst, mal mehr Gemüse, mal mehr grüne Wildkräuter. Auf konventionell angebaute Nahrung versuche ich weitgehend zu verzichten. Aus dem Bioladen, vom Bauern aus der Region oder direkt aus dem eigenen Garten ist halt in der Regel für den Körper gehaltvoller und gesünder. Ich esse keine Nahrung die gekocht oder gebraten ist, kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte, keine Öle und keine Getreideprodukte. Getrocknetes bzw. tiefgekühltes Obst oder Gemüse esse ich auch eher selten, meist nur im Winter.

Wie schafft man es, sich zu 100% roh und pflanzlich zu ernähren?

Kaum ein Mensch stellt von heute auf morgen seine Ernährung radikal um. Auch ich habe das nur einmal geschafft, als ich Anfang 30 war. Da sollte es eigentlich nur ein Experiment sein, ohne dass ich wusste, was mich mit der Zeit erwartet. Die zweite Umstellung, mit Anfang 50 bin ich dann etwas langsamer angegangen. Mein Eindruck ist, dass eine radikale Umstellung in jüngeren Jahren wesentlich einfacher ist. Ich habe mir folgende Fragen gestellt: Was willst du und will ich das wirklich? Wer sagt dir, dass du zu 100% rohe Ernährung anwenden musst? Sind dir die Konsequenzen von ausschließlich roh essen bewusst? Auch ich habe es viele Jahre lang nicht 'geschafft' (eigentlich ein unpassender Ausdruck), nur von roher Nahrung zu leben. Eines Tages kam ich jedoch an einen Punkt, an dem mein Leidensdruck so hoch war, dass plötzlich etwas in laut in mir rief: "Geh ab heute einen anderen Weg. Das ist jetzt deine Chance. Vergib sie nicht!" Dieser Ruf war für mich persönlich so direkt und stark, dass ich das Gefühl hatte, keine andere Wahl zu haben. Ich hörte auf diese innere Stimme mit großer Freude und Erleichterung. Es war wie ein Weckruf. Plötzlich war (fast) jeder Tag mit roher Nahrung auf einmal ganz einfach.

Ist bei roher Ernährung ein B12-Mangel nicht vorprogrammiert?

Keiner der sogenannten Ernährungsexperten und -wissenschaftler, die uns immer wieder die Gefahren eines B12-Mangels bei veganer oder sogar roher, pflanzlicher Ernährung betonen, hat diese Ernährungsform je praktiziert. Das sollte schon mal jedem zu Denken geben. Natürlich gibt es Risiken bei einer Umstellung auf rohe Nahrung, aber Risiken gibt es ebenfalls bei einer Ernährung mit viel tierischem Eiweiß, Fast Food und anderem Lebensmittelmüll. Millionen von Menschen sterben an den Folgen dieser Ernährung. Sprechen die 'B12-Experten' auch über solche Risiken, deren Folgen weitaus mehr Menschen betreffen?
Beim Thema B12 versuche ich zuerst meinen Verstand zu benutzen. Hast du dich schon mal gefragt, wie pflanzenfressende, wilde Tiere in der Natur zu Ihrem B12 kommen? Ich sehe, dass wilde Tiere ihre Nahrung ein Leben lang roh und auch immer ungewaschen fressen. Das tue ich mittlerweile auch. Sand im Salat mag ich natürlich nicht. Den wasche ich mir schon noch ab, wenns sein muss. Im Frühjahr rutscht mir, zusammen mit dem vielen frischen, wilden Grün von den Wiesen, gelegentlich auch mal etwas Schneckenfleisch oder anderes wurmiges Getier mit in die Saftpresse. Wilkräuter wasche ich im Normalfall nie und vertraue auf die vielen Mikroorganismen auf der Oberfläche von Wildpflanzen. So hoffe ich, meinen B12-Bedarf für Zellteilung und Blubildung ausreichend decken bzw. mit Hilfe eines gesunden Bakterienmileus im Darm selbst bilden zu können.
Immer wieder wird uns erzählt, wir sollten unseren Bedarf an B12 aus Fleisch etc. beziehen. Wie bauen Kühe, Schweine, Hühner, Enten und anderen pflanzenfressende Tieren das B12 in Ihrem Körper (wenn sie nicht gerade Schlachtabfälle fressen müssen)? Darüber sollten wir nachdenken, was diese Tiere jeden Tag fressen und wie sie es tun. Wenn der Mensch angeblich eine am höchsten entwickelte Spezies ist, dann sollte die Evolution auch einen Weg kennen zur Produktion von B12 in unserem Körper auf Basis rein pflanzlicher Nahrung. Ich jedenfalls vertraue auf meinen gesunden Menschenverstand.

Was kannst du tun, wenn du zwar roh essen willst, es aber nicht vollständig schaffst?

Warum die Sache nicht einfach gelassen und ohne Stress angehen? Dich zwingt niemand zu einer rohen Ernährung und schon gar nicht von jetzt auf gleich. Lass dir Zeit. Lies Bücher, Bücher und nochmals Bücher zum Thema natürliche Gesundheit, Rohkost, rohe bzw. pflanzenbasierte Ernährung. Es gibt jede Menge gute und sehr intelligente Autoren, die nicht die Interessen der Pharmalobby oder der Milch- und Fleischindustrie vertreten. Informieren steht vor resignieren. Vielleicht reicht deine Motivation für eine Nahrungsumstellung noch nicht aus. Dann such dir Hilfe und lese weiter Bücher. Änderungen beginnen im Kopf, nicht im Mund und nicht im Magen.

Wie gehe ich mit Reaktionen normal essender Menschen auf meine rohe Ernährung um?

Die meisten Menschen belächeln oder bedauern mich sogar, wenn ich Ihnen erzähle, dass bzw. warum ich nichts anderes als rohe Nahrung esse. Ich nehme das inzwischen relativ emotionslos zur Kenntnis und freue mich sogar manchmal darüber, dass sich der Futterneid auf den Inhalt meiner Mittagsschüssel wohl noch für lange Zeit in Grenzen halten wird. Um eine große Auswahl im Bioladen, Supermarkt oder beim Bauern um die Ecke muss ich mir wahrscheinlich noch für lange Zeit kaum echte Sorgen machen.

Wie finde ich echte Geschmackserlebnisse in roher Nahrung?

Gewohnte Geschmackserlebnisse bzw. Geschmacksnerven sind über Jahrzehnte antrainiert. Nach denen in ausschließlich roher Nahrung zu suchen, klappt nicht. Pflanzenbasierte Nahrung als echte Basis einer gesunden Ernährung kann man mit großer Begeisterung und mit dem Verstand verstehen lernen. Geschmacksnerven im Mund und die Signale, die im Gehirn durch deine Nahrung ankommen, stellen sich mit der Zeit so stark um, dass auch ein großer Salat ohne extra hinzugefügtes Salz vorzüglich schmeckt. Das dauert eine Weile - aber es funktioniert.
Unser Körper und unsere Seele ist Teil der Evolution, des ewigen Kreislaufs in der Natur. Das vergessen viele Menschen. Irgendwann bin ich an diesem Punkt der Erkenntnis angekommen. Ich spürte seltsame Flashbacks und hatte neue Erlebnisse und Einsichten, die mich neu-gierig machten auf mehr (und immer noch machen). Da ich versuche, sehr minimalistisch zu denken und zu handeln und wie viele Menschen von Natur aus auch faul bin, hatte ich irgendwann keine Lust mehr, mir immer wieder etwas (vermeintlich) besonderes auf den Teller zu zaubern. Warum nicht einfach nur 3-4 gelbe, grüne oder rote Wunder der Natur zusammen mit 1-2 Gewürzen auf ein kleines Küchenbrett aus Holz legen? Dieses Menü kann ich dann langsam und genüsslich essen. Das ist sehr oft meine bevorzugte Essweise, auch deshalb, weil sie mich unabhängig macht von den in unserer Gesellschaft so üblichen Ritualen. Betrachte ich z.B. die perfekt und ohne Zutun des Menschen gewachsenen Strukturen eines kleinen grünen Brokkoli oder die dichte Blattstruktur von frischem Rosenkohl, so kann ich einfach immer nur Staunen und habe große Ehrfurcht vor der Schöpfung. Klar, das hört sich vielleicht etwas schwülstig formuliert an. Aber so ist es nun mal. Dieses grüne Leben mit meiner biologischen Maschine zu vereinen, verschafft mir völlig neue Geschmackserlebnisse, die ich keinesfalls mehr vermissen möchte. Meinem Empfinden nach kommt es zu solchen solchen Einsichten jedoch nur, wenn man Zeit, Geduld und einen starken Willen aufbringt, sich von seinen alten Prägungen und Gewohnheiten zu trennen. Das ist am Anfang sicher etwas hart. Die Ergebnis jedoch werden dich in Erstaunen und Begeisterung versetzen.

Kommt mit roher Nahrung ebenfalls das Gefühl der Sperre? Wird man davon satt?

Ja, natürlich. Ich muss aber leider zugeben, dass meine Suche nach diesem sehr angenehmen Gefühl mit roher Nahrung eine Weile gedauert hat. Am Anfang meiner Umstellung habe ich auch viele Fehler gemacht. Einer davon war, dass ich viel zu wenig wirklich wertvolle, grüne Nahrung gegessen habe. Ich meine damit alle eßbaren tiefgrünen Pflanzen, Wildpflanzen eingeschlossen.

Wie gehe ich mit der familiären Situation um, wenn der Partner und die Kinder nicht roh essen wollen?

Ich musste lernen es zu ertragen, dass sich meine persönliche Entscheidung für rohe Ernährung nicht auf Partner, Kinder, Oma, Opa und wen auch immer übertragen lässt, nicht mit noch so guten Argumenten. Was jedoch in jedem Fall langfristig wirkt, ist das Beispiel, mit dem man selbst diesen Weg geht. Mein täglich knirschendes, rohes Grünfutter hinterlässt langfristig Spuren in jedem Kopf meiner Familie. Das ist nicht zu unterschätzen und genau das gibt mir auch zusätzlich Kraft, mich jeden Tag von Neuem mit meinem Grünfutter zu 'outen'. Wenn wir in der Familie gemeinsam essen, bin nicht mehr ich es, der der Essen der anderen tolerieren muss, sondern die anderen sind es, die sich gedanklich mit meiner spartanischen Nahrung auseinandersetzen müssen. Das Essen einer rohen Mahlzeit kann man auch ein wenig zelebrieren, also sehr genussvoll durchführen, was echt Spaß machen kann. Ohne mich damit bei Tisch in den Vordergrund schieben zu wollen, merke ich, wie anderen meine Art zu essen beobachten und sich Gedanken darüber machen. Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Esse ich Fleisch oder lieber doch nicht?

Wir müssen Tiere weder töten noch essen, um selbst glücklich und zufrieden zu leben, außer natürlich in Notsituationen. Zu Beginn meiner rohen Zeit habe ich in den ersten Monaten ab und zu auch rohes Fleisch gegessen, vielleicht ein Mal pro Woche oder so, wenn die Sehnsucht nach alten Speisen manchmal sehr stark war. Aber immer wenn ich das tat, hatte ich hinterher für mehrere Tage ein schlechtes Gefühl, vom nicht so lockeren Stuhlgang mal ganz abgesehen. Das störte mich in diesen Momenten immer wieder. Irgendwann fing ich an, verstärkt und in größeren Mengen grünes Gemüse zu essen, wie z.B. Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Spinat, Wirsing und zunehmend immer mehr Wildkräuter und grüne Säfte aller Art. Das tat und tut mir immer noch sehr gut. Der damals recht starke Drang nach Fleisch wird mit der Zeit weniger (ich war in meiner Jugend ein guter Fleischesser und habe Vegetarier belächelt). Ich halte rohes Fleisch in Bioqualität allerdings immer noch für eine Alternative, um solche Probleme beim Umstellen auf rohe, pflanzliche Nahrung zu bewältigen. Fleisch und Fisch ist seit tausenden von Jahren für viele Menschen eine Grundlage der Ernährung. Auch bestimmte Primaten fressen gelegentlich Fleisch (gelegentlich!). Ich selbst habe das Huhn in meiner Erinnerung, dass mein Opa einmal auf seinem Bauernhof auf den Hackklotz legte und schlachtete, um es zum Essen vorzubereiten, wenn meine Eltern und wir Kinder die Oma und ihn besuchten. Ich meine mit gelegentlichem Fleischverzehr nicht die heutigen Produkte der Fleischindustrie, die im Namen von Gewinn und Profit die Supermärkte mit Unmengen an giftigen, tierischen Abfall aus menschenunwürdiger Massentierhaltung überschwemmen. Wir Menschen sind es, die die Macht und die Verantwortung haben über die gequälten Tiere auf dieser Welt. Jeder einzelne von uns hat die Macht zu entscheiden, ob wir sie weiter ausrotten und quälen oder ob wir das nicht tun wollen. Wir haben es in der Hand, den politischen Willen für oder gegen Tierquälerei zu beeinflussen. Wegschauen und ignorieren ist keine Lösung. Die Masse machts!

Bin ich Veganer?

Nein. Ich halte jede Kategorisierung von Ernährungsweisen für Schubladendenken. Veganer essen viel von dem was ich auch esse. Ich esse jedoch nicht alles was Veganer essen. Grundsätzlich halte ich veganes Essen aber für einen guten Weg, als Mensch gesünder zu werden und zu bleiben. Der Tierschutz wird groß geschrieben und das ist auf jeden Fall ein großes Plus.

Fortsetzung folgt, falls jemand noch andere Fragen hat oder mir noch etwas einfällt... ;)